Band neu s

DFC neu 5bg

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Tin Whistles und Fleutje Piepen

fleutje

Am Anfang war der Wind, der in seiner Wildheit durch ein Röhrichtfeld an der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern sauste und dabei einige Halme unterschiedlicher Länge und Dicke abknickte. Der Wind pustete einfach ganz unbedarft so vor sich hin. Dabei blies er in das scharfkantig gebrochene Schilfrohr hinein und entfachte so ungewollt die schauerlichsten Töne.


Wie es hier in McPomm in der Natur so üblich ist, gab es damals in jedem Röhrichthalm eine Wohngemeinschaft von 7 oder 14 Bewohnern verschiedenen Bauchumfanges, die Fleutjen genannt wurden und die bis dahin in friedlicher Eintracht übereinander gestaffelt lebten. Man kann sich Ihre Raumaufteilung so vorstellen, daß bei einem sich konisch nach oben verjüngenden Schilfrohr das älteste Fleutje wegen seiner Größe und nachlassender Beweglichkeit ganz unten wohnte. Das jüngste - und meistens kleinste, aber immer rebellische und unbeugsame - Fleutje wurde ganz nach oben im 14. Stock einquartiert. Die Fleutjen besuchten sich jedoch permanent gegenseitig mit Kind und Kegel, indem sie ihre selbstbestimmte Fleutjenleiter benutzen, die sie dem Wachstum der Halmgröße ihres Wirtshauses durch Verschieben der Leitersprossen anzupassen wußten. Das war ja auch kein echtes Problem, wuchsen sie doch proportional mit dem Durchmesser ihrer Wohnung.
Welch ein grandioses Anpassungsverhalten in einer WG wurde hier vorgelebt !

Das Fleutje im Erdgeschoß war jedoch wegen seines Alters taub und sein Verwandter im 7. Stock war im Stimmbruch. Als der Wind nun sein geräuschvolles Spektakel begann, konnten oder wollten sie sich nichts anmerken lassen und waren die Ruhe selbst. Auch in der 14. Etage war Alarm, aber der jugendliche Durchhaltewille - nun erst recht und gegen jeden Widerstand - behielt die Oberhand. Die anderen Fleutjen erschreckten sich jedoch nach und nach fürchterlich. Im 1. Stock war das ansässige Fleutje mehr als genervt und bohrte sich ein Fluchtloch durch den Halm nach außen. Als es sich gerettet wähnte, hielt es das im zweiten Stock beheimatete Fleutje auch nicht mehr aus und so ging es Stockwerk für Stockwerk bis zur 6. Etage. So bahnte sich ein Fleutje nach dem anderen seinen rettenden Weg aus dem Horror-Kanal durch die Wandung nach außen --- und plumpste ins Wasser - und ertrank.
Welch eine Tragödie !

Unterdessen wunderte sich der Wind, denn er blies mit gleichbleibender Intensität, und doch - etwas stimmte nicht mit seiner bisherigen Erfahrung - der Klang änderte sich offenbar durch jedes Austrittsloch, welches das jeweilige Fleutje bei seiner Flucht hinterlassen hatte. War das Zufall oder steckte ein System dahinter ? Der Wind wollte es nun genau wissen und ging sein Werk nun mit erhöhter Intensität im Overblowmodus an. Tatsächlich - auch die bis dahin wind-resistenten Fleutjen der oberen Etagen ergriffen die Flucht und benutzten die Fleutjenleiter, um die vorhandenen Bohrungen der Altvorderen aufzusuchen --- in Panik versetzt ereilte die Bewohner der Stockwerke 8 - 13 leider auch das Schicksal der Mitbewohner durch Abtauchen in der Müritz.
Welch ein Verlust !

Der Wind wiederholte seine Versuche und merkte, daß er mit seiner Puste nur noch 3 Töne je angeblasenem Halm erzeugen konnte, nämlich - Taubheit - Stimmbruch - Rebellion - mehr war einfach nicht drin. Der Wind war verzweifelt und fragte sich : " Was habe ich nur angerichtet" - und - "kann ich das jemals rückgängig machen" ?

In dieser Notsituation traf der Wind zufällig an der Müritz auf Henry, einen mit allen geodätischen Wassern gewaschenen und musikalisch begabten Landvermesser. In Gummistiefeln und in einen Lodenmantel gehüllt analysierte er das Flehen des Windes im Schilfgewedel des größten deutschen Binnensees und outet sich folgendermaßen:
"Es gibt nach wie vor Fleutjen, die ich hiermit unter Naturschutz stelle. Die von mir untersuchten Halme werden nunmehr in schnöder Handarbeit von kommerziellen Firmen reproduziert, Der Wind ist damit einigermaßen entlastet. Zur Reproduktion muß nur durch eigenen Einsatz der Lunge über die Lippen das gewählte Blasrohr in Gang gesetzt werden.

Ob Mutter, Vater oder Kind, wer wie ich R.Pilcher mag, steige ein in die Welt der Tinwhistle.

Das nachemfundene Pusterohr ist jedoch ein vermaledeites Ding. Es besteht meistens aus zwei Bauteilen - dem Mundstück und dem Griffteil. Es hat neun eingebaute Öffnungen mit unterschiedlichsten Funktionen, die hier bald beschrieben werden und auch dem kundigen Musikanten in bisher ungeahnter Weise einen neuen Horizont zum liebevollen Verständnis öffnen könnten. (Fortsetzung folkt)

Für diejenigen, die auf die Fortsetzung nicht warten wollen oder können, findet sich ein ein Whistletutor und Tonartenverzeichnis auf Henrys-Tinwhistle-Seite.

Traditionelle irische Musik ist unter der Bezeichnung Irish Folk weltbekannt. Im 17. Jahrhundert entstanden auf der grünen Insel zunächst rhythmische Musikstücke, die ohne instrumentale Begleitung gesungen wurden. Instrumente zur Begleitung kamen bei der irischen Musik erst ab dem 18. Jahrhundert zum Einsatz. Das Liedgut besteht aus Balladen, ausgelassenen Trinkliedern und überlieferten Volksweisen. 

Irische Folk Musik erlebte in den 60er Jahren des letzten Jahrhundertsein fulminantes Comeback. Elemente dieser traditionellen Musikrichtungen fanden Eingang in den Rock, den Blues und in die moderne Popmusik. Musikalische Einflüsse aus den Vereinigten Staaten, die irische Auswanderer mit in die USA brachten, führten zu einem Anwachsen der Popularität des Irish Folk.

 

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